Die Glasfenster im neuen Meditationsraum von Kurhaus Marienkron

 

 

Beim Betrachten der ursprünglichen Raumsituation des Meditationsraumes kam mir spontan die Idee, eine grüne Wellenbewegung durch alle vier Fenster fluten zu lassen.

Es sollte ein saftiges, ja leuchtendes Grün sein, wie wir es in der Natur vor allem jetzt, im Frühling finden, wenn das Leben wieder neu erwacht.

Denn mein Anliegen war es, bei der Gestaltung der Fenster ganz aus der Natur zu schöpfen – und den Blick des Betrachters in die Natur schweifen zu lassen. Auch das Heilungsprogramm des Kurhauses schöpft aus den Elementen der Natur.

 

Grün ist in der Sprache der Farben gleichbedeutend mit Hoffnung, mit Leben.

Natur ist transparent für ihren Schöpfer, den ich durch das Spiel der Formen und Farben erahne.

So sollen meine Fenster transparent sein für das, was sich hinter der Natur verbirgt – nämlich Gott unser Schöpfer.

Und so machte ich mich gleich an die Entwurfsarbeit und übermalte die Fenster in einem verkleinerten Maßstab auf Papier mit unterschiedlichen Farbkompositionen.

Nach Herausschälen meines besten Entwurfs, wählte ich die Schmelzglas-Technologie für die Umsetzung. Denn diese Technologie ist bestens geeignet, um die wie bei einer Collage übereinander geschichteten farbigen Glasplatten in sehr differenzierter Weise zu verschmelzen. Man erzielt die feinsten Farbdifferenzierungen, wie bei einer großen Malerei.

Und so ging ich für die Ausführung der vier Fenster in die Glasmalerei Stift Schlierbach. Als erster Arbeitsschritt wurde mein Farbentwurf auf die entsprechende Originalgröße der Fenster gebracht und von mir noch leicht verändert. Dieser in Originalgröße gebrachte Entwurf dient auch als Schablone, die ich unterhalb der dafür vorbereiteten farblosen Trägerscheiben gelegt habe.

 

 

 

Es folgte dann das Auflegen der unterschiedlichen farbigen Glasplatten oder auch Glasgranulate, die ich mit einem Glasmaler, der mir die zum Teil sehr filigranen Glasstücke schnitt, wie eine Papier-Collage auf die Trägerscheiben legte. Nach diesem Prinzip arbeiteten wir alle weiteren Glasfensterteile, die anschließend im Brennofen bis auf eine Temperatur von 810°C hochgeschmolzen wurden.

Bei der Entnahme der einzeln gebrannten Glasscheiben war unsere Neugierde groß. Denn es zeigt sich bei gebrannten Scheiben immer eine leicht veränderte, nicht zu beeinflussende optische Wirkung.

Durch das Zusammenschmelzen der Glasplatten kommen Zufälligkeiten – ungeplante Veränderungen entwickeln sich wie bei einem Spiel.

Auch bekommt man durch die zusammen geschmolzenen Farbglasschichten den Eindruck einer größeren kosmischen Tiefe. Die Glasscheiben wirken wie in Scheiben geschnittene überdimensionale Edelsteine.

Nach dem erfolgreichen Brand wurden alle Fensterglasscheiben durch die Mitarbeiter der Glasmalerei Stift Schlierbach in die Fenster des neuen Meditationsraumes eingebaut.

Nach Abschluss der Montagearbeiten, konnte ich voller Freude feststellen, dass sich der Meditationsraum in geheimnisvoller Weise verändert hat.

Er hat jetzt ein starkes grünes, naturhaftes Gepräge bekommen, mit zusätzlichen Assoziationen von Unterwasser-Pflanzen, die sich wie im Fluss schwimmend durch die Fensterformation ziehen. Es ist eine lebendige Landschaftsformation, die je nach Lichtsituation ihr eigenes Abbild in geheimnisvoller Weise verändert und eine ganz eigene Farbdynamik entwickelt.

Eine lebendige, aber ruhige Bewegung, die in ganz naturhafter Weise den Raum durchzieht, und mit einer großzügigen Bewegungsformation uns in eine stille Konzentration führt.

Sie führt uns in eine Ruhe, aus der wir wieder neue Kraft und Entspannung gewinnen können – eine Ruhe, in der unsere Seele zu sich finden kann und vielleicht einen neuen Blick auf DEN, dessen Schöpfung wir in der Natur bewundern – und zu dem wir geführt werden können, wenn wir die Natur nicht als blanke Selbstverständlichkeit, sondern als großes Wunder betrachten. Zur Betrachtung dieses Wunders laden meine Fenster ein.

 

 

Pater Raphael

Heiligenkreuz am 27. 3. 2019